Ein paar Dinge über den Blog, über mich und diese Stille

Geschrieben am 15 Februar 2015 | 110 Kommentare

Es ist ganz schön ruhig geworden hier im Blog und es kommen schon die ersten Fragen, warum eigentlich. Es wäre doch schön, diese Seite regelmässiger zu aktualisieren und mit Inhalt zu füllen. Ja, das wäre es in der Tat und ich frage mich schon länger, warum ich nicht mehr mit dem gleichen Elan und Enthusiasmus wie früher poste. Die fehlende Zeit kann es doch nicht immer sein – früher habe ich schliesslich auch viel gearbeitet und habe mich durch das Bloggen entspannen können. Um diese Schreibblockade zu überwinden, muss ich Gedanken ordnen, mich sammeln und mich blogtechnisch fragen: „Wer bin ich, was will ich und was will ich nicht?“ Es kann sein, dass nur wirres Zeug bei rum kommt, es sei mir an dieser Stelle verziehen.

Nun blogge ich schon seit 8-9 Jahren und in der Foodbloggerszene und allgemein im Netz hat es unglaublich viele Veränderungen und Entwicklingen gegeben. Es gibt immer mehr Blogs, sie werden immer schöner, immer professioneller. Professionalisierung – das ist wohl die größte Veränderungen, die es in all den Jahren gegeben hat. Die Fotos sind professioneller, die Inhalte sind professioneller. Es ist unglaublich, wie viele talentierte Leute da draußen sind und Blogs bieten so viele Möglichkeiten. Blogger sind für Firmen immer interessanter, es sind Kooperationen entstanden, man kann mit dem eigenen Blog verdienen oder den Blog als Sprungbrett oder Schaufenster nutzen. Alles super. Mache ich auch . Was ich nicht so super finde, ist der Ton, der immer rauher zu werden scheint. Wir sind so viele in diesem großen weiten Web, da kann man unmöglich alle einer Meinung sein. Aber manchmal habe ich das Gefühl, man bräuchte ein Blogger-Diplom, um überhaupt eine Daseinsberechtigung zu haben. Und ich fühle mich manchmal so, als hätte ich gerade mal das Propädeutikum hinter mir. Die Fotos müssen schön, schöner am schönsten sein, sonst zählen die Inhalte nicht. Die Kooperationen müssen ethisch korrekt sein, wehe du testest das falsche Produkt. Die Rezepte müssen originell sein, gut in Szene gesetzt, am besten noch mit tollen SEO-Wörtern beschrieben, damit man in irgendwelchen Top-Ten-Listen ganz oben erscheint. Es geht um Zahlen, Follower, Pageviews. Und was ist mit Facebook, Instagram, Google+? Wie du hast kein Mediakit? Ach Gott, das sollte ich auch noch machen. Ja, das artet ja richtig in Arbeit aus. STOOOOOOOOOOP, das ist nicht mehr meine Welt.
Da kommt einerseits dieser zugegebenermaßen selbst auferlegte Leistungsdruck (es zwingt mich ja keiner), andererseits aber auch die Atmosphäre, die ich manchmal nicht gerade als angenehm empfinde. Zu oft vergisst man in meinen Augen, dass hinter dem Bildschirm Menschen sind, die man wahrscheinlich bei einem persönlichen Treffen nicht einfach dumm von der Seite anmachen würde. Mir ist es oft zu laut in dieser virtuellen Welt. Und je lauter es um mich herum wird, desto leiser werde ich. Das war schon immer so und genau das ist wahrscheinlich in der letzten Zeit passiert.

Sicherlich habe ich mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt: Sind die Rezepte auch originell genug? Sind sie bio, gesund, saisonal? Wen interessiert überhaupt das Foto einer Blume aus meinem Garten oder gar die neue Teedose, die mein Regal schmückt? Ich hinke immer hinterher, habe kein Karnevalsgericht, nichts Passendes zum Valentinstag. Habe noch nicht auf die 1923 E-mail-Anfragen geantwortet. Ja, bloggen kann in Arbeit ausarten und es kann manchmal auch ganz schön teuer sein.
Aber diesen Druck, den ich mir selber mache, will ich nicht mehr. Ich will wieder mit Freude bloggen, und wenn es nur ein kommentarloses Foto ist. Ich will es für mich tun und nicht, weil ich die Erwartungen anderer erfüllen muss. Ich möchte Dinge aus meinem Leben erzählen, Dinge teilen, so unwichtig sie für andere erscheinen mögen – und wenn es nur Nudeln mit Tomatensoße sind. Ich will einfach wieder die spontane Seite am Bloggen geniessen, nicht alles durchdenken müssen. Aber auch die Freiheit habe, meine Seite mit Bannerwerbung zuzukleistern oder auch nicht, so wie ich es für richtig und notwendig halte. Ich will in diesem virtuellen Zuhause so sein, wie ich bin. Mit meinen Ecken und Kanten. Das ist kein Foodblog im klassischen Sinne mehr. Das ist bin ich und basta. Ihr habt vielleicht von all dem nichts bemerkt, ich habe mich aber hier nicht mehr wohl gefühlt.
So, und jetzt kann es weitergehen!

Kommentare

110 Responses to “Ein paar Dinge über den Blog, über mich und diese Stille”
  1. Andrea sagt:

    Liebe Alex, ich verstehe jedes Wort, das Du schreibst – und für mich ist die Sache ganz einfach:
    Wer Deinen Blog nicht lesen will, der soll es eben lassen!
    Niemand wird gezwungen, Deinem Blog zu folgen und Kommentare, die Dich verletzen oder ärgern sagen mehr über denjenigen, der sie schreibt, als über Dich aus.
    Für mich ist Dein Blog einer der schönsten und lesenswertesten überhaupt.
    Ich würde mich riesig freuen, wieder mehr von Dir zu sehen und zu lesen.
    In diesem Sinne – weiter so!
    Andrea

  2. Liebe Alex,

    sehr, sehr gut geschrieben und perfekt auf den Punkt gebracht! Vielen Dank für diese Zeilen, ich bin da ganz bei Dir!

    Deine Rezepte sind toll, die kleinen Geschichten lesenswert und die wundervollen Fotos komplettieren diesen besonders schönen Blog. Und wie meine Großmama immer zu sagen pflegte: „Jedem Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“

    Forza Alex, mach weiter so!

    Claudia

  3. Lola Cambola sagt:

    Einfach Danke für die ehrlichen Worte :-)

  4. Edita sagt:

    Bitte nur nicht aufhören, es ist ganz toll hier :)

  5. Wolli sagt:

    Eigentlich stöbere ich schon lange nicht mehr in Blogs oder blogge gar selbst und zwar aus genau den Gründen, die Du aufgeführt hast. Super auf den Punkt gebracht!

    Bin hier gelandet über P*nterest, da ich ein schnelles Rezept für ein kleines Leckerchen zwischendurch gesucht habe. Und ganz gegen meine Gewohnheit hängen geblieben, gelesen, bestaunt, mir ein paar Rezepte ausgedruckt und sogar gerne bereit, einen Kommentar zu verfassen ;-)

    Liebevoll geschrieben, schön in Szene gesetzt mit den Fotos, herrlich unaufdringlich; ich fühle mich inspiriert und motiviert, sofort ein Rezept von Dir auszuprobieren! Ich als Koch- und Blogmuffel!
    Also Lob volle Breitseite und bitte weiter so!

    LG von Einer, die jetzt sofort in die Küche rennt…

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